Mehr Jobs für Alt und Jung
Auf dem Arbeitsmarkt haben junge Menschen und ältere ArbeitnehmerInnen besonders schlechte Karten: 2005 waren über
600 000 Jugendliche bis 25 Jahre arbeitslos – das sind 12,4 Prozent. Bei den 55- bis 64- Jährigen lag die Erwerbslosenquote mit 18 Prozent noch höher. Die Chance für Jugendliche, einen Ausbildungsplatz zu finden, ist genauso gesunken wie die Wahrscheinlichkeit, dass Ältere ohne Arbeitslosigkeit oder berufsbedingte Erkrankungen das Rentenalter erreichen.
Weniger Ausbildung trotz mehr Bewerbern
Die Situation auf dem Ausbildungsmarkt ist alarmierend: Im letzten Jahr wurden erneut über 22 000 Ausbildungsverträge weniger abgeschlossen als noch 2004. Das ist der tiefste Stand seit der Wiedervereinigung – und das bei steigenden Bewerberzahlen. Der Grund: Die Wirtschaft zieht sich immer mehr aus ihrer Verantwortung zurück. Nicht einmal mehr ein Viertel aller Betriebe bildet aus. Stattdessen drehen immer mehr junge Menschen staatlich finanzierte Warteschleifen – in Einstiegsqualifizierungsjahren, außerbetrieblichen Ausbildungen oder Weiterbildungsbildungsmaßnahmen mit Vollzeitschule. Doch die Chancen, im Anschluss einen Job zu finden, sind schlecht.
Ältere abgedrängt
Am anderen Ende der Alterspyramide sieht es nicht besser aus. Ältere werden aus der Erwerbstätigkeit gedrängt, müssen Abschläge bei der Altersrente hinnehmen und sind oft körperlich wie psychisch durch jahrzehntelange Berufstätigkeit beeinträchtigt. Eine der Ursachen: Krankheiten werden jahrelang verschleppt – aus Angst um den Arbeitsplatz. Die Folge: Jede dritte Erwerbsminderungsrente ist auf gesundheitsschädigende Arbeitsbedingungen zurückzuführen. Die Krankenversicherungen zahlen jährlich rund 15 Milliarden Euro für arbeitsbedingte Erkrankungen, arbeitsbedingte Frühverrentungen schlagen bei der Rentenversicherung mit drei Milliarden Euro pro Jahr zu Buche.
Das geht besser
Mehr Ausbildungsplätze für die Jungen, alternsgerechte Arbeitsplätze für die Älteren und die gesetzliche Rente mit 65 sind möglich, meint der DGB. Das Geld dafür wäre da – wenn Politik und Wirtschaft umdenken:
Mehr Geld für Ausbildung und alternsgerechtes Arbeiten
Mit den Überschüssen der Bundesagentur für Arbeit könnte ein Sofortprogramm für 50 000 ausbildungssuchende Jugendliche finanziert werden. Bei einem erwarteten Überschuss von fast zehn Milliarden Euro wären die Kosten von 650 Millionen mehr als zu verkraften.
Die Verbreitung "prekärer" Beschäftigung am "jungen Arbeitsmarkt" muss gestoppt werden: Mehr reguläre Beschäftigung bedeutet auch mehr Beitragszahler für die Rentenversicherung.
Der DGB fordert, dass langjährig Erwerbstätigen und Beschäftigten in Berufen mit hoher körperlicher Belastung der Rentenzugang erleichtert wird. Die Altersteilzeit muss ausgebaut werden.
Unternehmen müssen die Älteren wieder als wertvolle Arbeitskräfte begreifen, statt sie zu diskriminieren. Betriebe, die gezielt ältere ArbeitnehmerInnen entlassen, sollten verpflichtet werden, das Arbeitslosengeld für ihre ehemaligen Beschäftigten zu übernehmen.
Der DGB fordert außerdem, mehr Geld für die betriebliche Gesundheitsvorsorge bereitzustellen. Eine Investition, die sich lohnt: Arbeitsbedingte Erkrankungen belasten die gesetzliche Rentenversicherung derzeit mit rund drei Milliarden Euro – pro Jahr.










